Über mich

Erlebnispädagoge?

Das ist wahrscheinlich nicht das, was Kinder als Traumberuf nennen, wenn sie danach gefragt werden. In meiner TOP 3 kam er auch nicht vor. Stattdessen wollte ich in der Grundschuhe Bauer werden oder Priester, weil die bei den Katholiken nicht heiraten müssen. 

Allerdings hat damals schon ein kleiner Erlebnispädagoge in mir gesteckt. Das würde ich jetzt, zumindest rückwirkend, behaupten. Ich bin gerne auf Bäume geklettert und habe die Jugend-Zeltlager mit Lagerfeuer, Geländespiel, Olympiade, Fahnenmast aufstellen und Nachtwache halten geliebt. Mitte der 90er fand ich meine zweite Leidenschaft – den Computer. 

Scheinbar ein krasser Gegensatz

Am besten im abgedunkelten Zimmer sitzen, damit das Licht bloß nicht den Bildschirm blendet und dann wieder Tage lang in der Pampa unterwegs sein, wo das technischste Gerät eine Schlagstock-ähnliche Taschenlampe der Marke Maglite war (die musste man damals einfach haben).

Meine Mutter erzählt häufig, wie ich mir für meine jüngeren Cousinen, Geschwister und deren Freunde Spiele ausgedacht, sie beschäftigt und unterhalten habe. Der Animateur liegt mir wohl in den Genen. 

Suche nach Beruf(ung)

Als der Schulabschluss näher rückte stand die Idee „das Hobby zum Beruf zu machen“ auch hoch im Kurs und ich entschied mich zu einer Ausbildung im IT-Bereich. Ich werde schnell braun, da kann man sich ruhig einen Job mit vermeintlich wenig Tageslicht aussuchen.

Schnell merkte ich allerdings, dass vom Hobby nicht mehr viel übrig bleibt, wenn man sich den ganzen Tag mit Programmieren und Computerproblemen herumschlagen muss. Ich brach die Ausbildung ab schließlich wollte ich doch einen Beruf der Freude macht, im Idealfall mir und meinen Mitmenschen. 

Erlebnispädagogik für Erzieher

Meine Erzieher Ausbildung (in Bayern 5 Jahre) war echt super! Zum ersten Mal überhaupt, hatte ich Spaß am Lernen und auch einen Grund dazu. Ich hatte das Gefühl, dass diese Inhalte mich tatsächlich weiter bringen. Heute ist mir klar, dass das ein wichtiger Indikator dafür ist, auf dem richtigen Weg zu sein.

Das Wahlfach Erlebnispädagogik hat mich richtig begeistert. Erlebnisse kannte ich, dass diese, richtig angepackt, auch einen pädagogischen Effekt haben können war mir neu. Neu aber toll! Davon wollte ich mehr, viel mehr!

Der Hochseilgarten meines Arbeitgebers hat immer wieder Fortbildungen für interne und externe Mitarbeiter angeboten und ermöglichte mir somit noch tiefer in die Materie einzutauchen. 

Die Schattenseiten als Erzieher im Heim

Menschen in sozialen Berufen haben ein erhöhtes Risiko „auszubrennen“. Die nötige Flexibilität in stationären Einrichtungen begünstigt das Risiko zusätzlich. Bereits in den ersten beiden Jahren wurde mir klar, dass in diesem Arbeitsfeld nur wenige bis zur Rente arbeiten (können).

„Die Arbeit in der stationären Jugendhilfe ist eine tolle und sehr wichtige Tätigkeit. Aber auf Dauer, in Vollzeit, ist das sicher nicht gesund!“

Mein Résumé nach 2 Jahren

Das Studium als neues Ziel

Ich studiere noch mal! Lieber jetzt als sich später, mit Frau und Kind, vielleicht über die verpasste Chance zu ärgern. Aus meiner eigenen Schulzeit wusste ich noch, wie wichtig gute Lehrer mit Animateur-Charakter sind. Mit der aktuellen Zielgruppe würde ich auch gerne weiter arbeiten also entschied ich mich für Lehramt an Mittelschulen. 

Ich habe nebenbei viel im Hochseilgarten und mit 20 Wochenstunden auf einer therapeutischen Wohngruppe gearbeitet. Das hat beides viel Spaß gemacht, das Studium, trotz guter Noten, leider nicht. Vielleicht war mein „Problem“ auch einfach, dass ich bereits einen sehr erfüllenden Beruf, der mir wirklich Freude macht hatte. Was stelle ich jetzt mit diesem Studium an, dass mich schon bei Semester 2 von 7 nervt? Durchziehen? Schließlich hatte ich gute Gründe, nochmal zu studieren. 

Plan B C D E – wie Erlebnispädagoge

Aber vielleicht kann ich das Studium auch abbrechen ohne in die Vollzeit-Anstellung zurück zu gehen? Einfach das machen, worauf ich Lust habe? Arbeit geht mir und dir wahrscheinlich auch, viel leichter von der Hand, wenn man sie gerne macht!

Auch wenn ich in meiner Ausbildung unendlich oft gehört habe: „Spaß ist kein Ziel!“ gibt es mir so viel, in die zufriedenen, stolzen und einfach glücklichen Gesichter der Gruppe zu sehen, die gerade zusammen ein Abenteuer erleben durfte.

Also gut: Teilzeit auf der Wohngruppe und nebenbei die Erlebnispädagogik ausbauen. Das klingt doch nach einem guten Plan! 

Tadaaa! Der Plan funktioniert für mich auch heute noch. Sogar so gut, dass ich meine Stunden im Angestelltenverhältnis weiter reduzieren konnte.

Mit dieser Entscheidung bin ich heute richtig glücklich. Mehr noch! Mein Beruf, der so viel mehr ist als ein Job, begeistert mich und damit auch meine Kunden.